21. Heimattreffen der HOG Groß-Alisch und Pruden

in der Eventhalle der Nürnberger Gartenstadt

 

„Aller guten Dinge sind drei!“ sagten wir uns bei der Planung des gemeinsamen Heimattreffens mit unserer Nachbargemeinde Pruden aus Siebenbürgen. Optimistisch waren wir schon nach den zwei erfolgreichen, mit viel Lob und Anerkennung bewerteten Treffen 2019 und 2023. Doch dem war, aus Mangel an entsprechenden Informationen, nicht so.

Was viele Landsleute kaum oder gar nicht wissen ist, dass die Gemeinde Pruden über keine geregelte HOG mehr verfügt. Somit kann man die Leute nur sporadisch, meist über Mundpropaganda erreichen. Das wiederum schlägt sich in der Besucherzahl an den Treffen nieder. Dieser Vorgang sollte aber nicht falsch verstanden werden. Nicht nur die Prudner, die wir gerne in unsere Gemeinschaft zum gemeinsamen Treffen aufgenommen haben, sind der Grund, sondern man werfe auch einen Blick auf die gesamte Entwicklung der  siebenbürgischen Heimatortsgemeinschaften in Deutschland. Von der ursprünglichen Zahl 500 und mehr der Großalischer Besucher an einem HOG-Treffen  wurden es mit der Zeit knapp 300 und am 21. Treffen kamen nur noch ca. 250 Personen. Die wahre Erklärung ist der Generationenwechsel, die größte aktuelle Herausforderung unserer Heimatortsgemeinschaften (HOGs).  

Die noch in Siebenbürgen Geborenen Siebenbürger Sachsen kamen nach Deutschland mit der Einstellung und Selbstwahrnehmung einer nachgeordneten Minderheit zurück zum großen Gemeinwesen, aus dem sie sich (d.h. ihre Vorfahren) vor 850 Jahren gelöst hatten. Diese Einstellung einer nachgeordneten Rolle, diese Selbstwahrnehmung umhüllte wie ein Mantel die Aussiedler, die es nicht schafften, diesen Mantel an der deutschen Grenze abzugeben. Nein, sie konnten ihn nie ganz loswerden und blieben oft oder zumindest am liebsten unter sich. So herrschte der Wunsch vor, dass wenigstens die Kinder, die nächsten Generationen voll aufgehen konnten. Ein Wunsch, der sich nie ganz erfüllen wird. Noch wird in Deutschland ein Zusammenhalt der Heimatortsgemeinschaften gezielt organisiert und der Kontakt mit den Heimatgemeinden in Siebenbürgen nach Kräften gepflegt. In diesem Stadium befinden wir uns seit dem Exodus der Siebenbürger Sachsen aus Rumänien am Ende der 1980er  und Anfang der 1990er Jahre. Damit verloren die Sachsen  aber die äußeren Lebensumstände und einen konstituierenden Teil ihrer Identität. Sofern die gesetzten Ziele des HOG-Verbandes in der Bundesrepublik ihr Interesse finden, könnten junge Menschen, die nächste Generation des ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, auch ohne viele unmittelbaren, langjährigen und prägenden Erfahrungen der Eltern dafür Mittel nutzen, die den Eltern kaum oder gar nicht zur Verfügung standen oder stehen: z.B. die Präsenz auf digitalen Plattformen, für die Jugend von heute besonders begehrt. 

Analysieren wir das 21. Treffen der HOG Groß-Alisch und Pruden in Nürnberg am 26. April 2025: Von Beginn an mussten wir Veränderungen im Ablauf des Treffens in Kauf nehmen. Die Emmaus-Kirche in der Gartenstadt, wo seit Jahren unsere Heimattreffen mit einem Gottesdienst eröffnet wurden, war diesmal nicht frei und wir mussten den Gottesdienst in die Eventhalle (ehemaliges Gesellschaftshaus) verlegen. Dieser Wechsel erforderte sowohl für die Organisatoren wie auch für die Besucher ein Umdenken. Ein provisorischer Altar vor der Bühne des Saales, als Hintergrund diente der „Leinwandaltar“ der in Groß-Alisch über ein Jahr lang, als Provisorium zur Zeit der Restaurierung hing, trug überraschend zu einem unerwarteten Erfolg bei. Die Besucher waren zutiefst ergriffen. Pfarrer Prof. Dr. Berthold Köber führte gedanklich seine ehemalige Kirchengemeinde aus Siebenbürgen zurück in die alte Heimat. Es wurde ein beeindruckender Gottesdienst. So konnten wir die „Goldenen Konfirmanden“ der Jahrgänge 1959/1960 begrüßen und feiern, der Verstorbenen der letzten zwei Jahre aus unseren und den Reihen der Prudner gedenken und das Heilige Abendmahl empfangen. Der gesamte Gottesdienst wurde musikalisch von den Bläsern des Posaunenchores unter der Leitung von Georg Zakel und von Kurt Gehann am Keyboard begleitet. Es war ein Gottesdienst nach siebenbürgischer Liturgie, würdevoll gefeiert von der anwesenden Gemeinde nicht in einem Gotteshaus, sondern in einer Halle.

Das entspannte, gemeinsame Mittagessen a´la carte hat uns näher gebracht und die Atmosphäre wurde schön langsam zu dem erwarteten „Heimattreffen“. Hier ging es allerdings nicht nur um den Einzelnen, also um die sogenannte Selbstfindung, sondern sehr bald trat die Erkenntnis einer Zugehörigkeit zu einer größeren Gruppe, zu einem Gemeinwesen ein. Jeder Einzelne gehört dazu, er gehört zu dieser Gruppe, zu seinen Bräuchen und Traditionen. Damit hoffen wir das Ziel unserer regelmäßigen Zusammenkünfte erreicht zu haben.

Es folgte die offizielle Begrüßung der Gäste und Danksagung:

-          An Pfarrer Prof. Dr. Berthold Köber für seine Mühe den langen, beschwerlichen Weg, zusammen mit seiner Gattin, zu uns gefunden zu haben und für seinen fulminanten Gottesdienst in nicht alltäglichem Umfeld,

-          an die musikalische Begleitung des gesamten Gottesdienstes,

-          an die Organisatoren und heutigen Helfer am HOG- Treffen, wie auch

-          an das Team des Cafe-Restaurants-Eventhalle-Gartenstadt,

durch den Vorsitzenden Wilhelm Paul, der anschließend den Bericht des Vorstandes der HOG Groß-Alisch über die Tätigkeiten der letzten zwei Jahre zur Kenntnis brachte.

Ihm schloss sich Kassenwartin Traudi Teutsch an, die die aktuelle finanzielle Lage des Vereins kurz darlegte und damit auch die Perspektiven einer geordneten Vereinsarbeit in Zukunft unterstrich.

Der Prudner Vorsitzende Lukas Geddert berichtete, dass die Zahl der Prudner dank der „Neuprudner“, die aus dem Erzgebirge stammen, gestiegen sei und freute sich über ihr Engagement für den Erhalt der Prudner Kirche, des ausgebauten Pfarrhauses, ja sogar die alte deutsche Schule wird von ihnen renoviert und als Kulturstätte für die Nutzung der gesamten Dorfbewohner eingerichtet. Selbst der Prudner Friedhof fand ihre Beachtung und Sorgfalt, wofür die Prudner, die in der Welt verstreut leben, ihnen herzlich danken.  

Mit dem Auftritt der geladenen „Adjuvanten der HOG Nadesch“ aus Nürnberg änderte sich die Stimmung schlagartig. Zu ihren Klängen konnten wir den Aufmarsch unserer Trachtenträger bewundern und genießen, die für so manche Überraschung sorgten. Vor lauter Begeisterung spielte die Blaskapelle doppelt so lange wie geplant, und das zur Freude der Zuhörer. 

Nach dem gemeinsamen Abendessen rief die Party-Duo-Band zum Tanz auf, worauf die Mehrheit der immer zahlreicher werdenden Anwesenden in Jubel ausbrach. Das Tanzbein wurde begeistert bis zu später Stunde geschwungen.

Zwischendurch holte Jakobi Hansi sein Akkordeon hervor und regte die im Kreis gruppierte Singbegeisterten an, ihm zu folgen und die bekannten siebenbürgischen Volkslieder anzustimmen.

 Im Rückblick war es ein gelungenes Heimattreffen, wenn auch mit weniger Beteiligten. Zu dieser Feststellung kam unser HOG-Vorstand, wie auch durch die positive Bilanz der Veranstalter durch den Wirt Costa Karanikos, der uns überzeugte auch das nächste HOG-Treffen am 24. April 2027 in seinen Räumlichkeiten zu buchen.

 Ihr seid herzlich eingeladen!

Wilhelm Paul


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